

'Heimat, bittersüße
Heimat
Ein Theaterprogramm in fünf Kapiteln mit Musik
Autorenschaft & Regie : Lara-Sophie Milagro
Co-Regie: Vanessa Rottenburg
Dramaturgische Beratung: Michael Ojake / Lena Lessing
Entwicklung und Umsetzung: LABEL NOIR
Mitwirkende:
Jonathan Aikins, Dela Dabulamanzi (zuvor Gakpo), Leander Graf,
Lara-Sophie Milagro, Vanessa Rottenburg, Felix Frenken,Genifer Habbasch, Sithembile Menck, Veronica Naujoks
„...aber wenn man sehr lange und sehr gewissenhaft wartet, wissen Sie, dann besteht die
Möglichkeit...dann hat man eine reelle Chance...Man muss sich natürlich auch beeilen! Das ist überhaupt das allerwichtigste: den entscheidenden Moment zu erkennen. Vieles ist so schwer, weil
es unerreichbar scheint.“
(aus ‚Heimat, bittersüße Heimat‘, Viertes Kapitel: ‚WARTEN’)
„Entschuldigen Sie junge Frau, dass ich Sie anspreche, aber ich wollte Ihnen nur sagen:
Ich bin ja begeistert! Wie tadellos Sie Deutsch sprechen – weiter so!
Ach Sie sind Deutsche? Afro-Deutsche? Also eine farbige Deutsche, sozusagen? Also farbig UND
deutsch, beides zur gleichen Zeit?
Und Sie studiere Operngesang? Das ist ja toll! – obwohl Ihnen ja wahrscheinlich der Jazz mehr im
Blut liegt...“.
(aus ‚Heimat, bittersüße Heimat‘, Erstes Kapitel: ‚HEIMAT, 1. VERSUCH’)
Deutscher sein ist schwer.
Afro-Deutscher sein ist noch schwerer.
LabelNoir präsentiert in ‚Heimat, bittersüße Heimat‘ mit Humor, Ironie und bitterem Ernst
wie man als (Schwarze) Deutsche bzw. Schwarzer Mensch in Deutschland weder den Humor noch
die Hoffnung verliert. „Gutmenschen“ ein Schnippchen schlägt, sich gegen kleine
Diskriminierungen und große Unverschämtheiten behauptet, und dennoch manchmal ratlos ist.
Am Beginn des 21. Jahrhunderts wiegt die Last der Geschichte immer noch schwer, bedrohen
international operierende Terroristen unseren hart erarbeiteten Wohlstand und werden Deutsche
mit nicht-stereotypem Erscheinungsbild immer noch und immer wieder mit “nett gemeinten“
Fragen, Ratschlägen und Bemerkungen ihrer weißen Mitbürger konfrontiert, die sich bei näherem
Hinsehen als alte Vorurteile in politisch korrekter Aufmachung entpuppen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Erfahrung des ‚Anders-Deutsch-Seins’ in Deutschland. Schwarz
und deutsch sein, bzw. als Schwarzer Mensch in Deutschland leben ist immer wieder ein Erlebnis
der besonderen Art.
Da kann Multi-Kulti noch so oft beschworen, der Karneval der Kulturen noch so verbissen gefeiert
und die Vergangenheit noch so lustlos bewältigt werden:
Deutsche, mit nicht-stereotypem Erscheinungsbild, werden noch immer und immer wieder mit “nett gemeinten“ Fragen, Ratschlägen und Bemerkungen ihrer weißen Mitbürger konfrontiert, die
sich bei näherem Hinsehen als alte Vorurteile in politisch korrekter Aufmachung entpuppen. Die
Biographien afro-deutscher Menschen, aber auch anderer Bindestrich-Deutscher mit türkischen,
asiatischen oder jüdischen Wurzeln spiegeln das wider: sie erzählen von merkwürdigen, skurrilen
und leider viel zu selten unbelasteten Begegnungen mit sog. ‚Deutsch-Deutschen’.
Wo soviel Emotion (von übertriebenem Verständnis bis übertriebener Ablehnung) im Spiel ist, ist
auch das Theater nicht weit: in fünf Kapiteln besingen, bespielen, besprechen, belachen, beweinen
und hinterfragen die LabelNoirs das Deutsch- und das Anders-Sein in all seinen Facetten.
Irgendwo zwischen politischer Satire, Theater und szenischer Lesung inszenieren sie ein kleines
Stückchen bundesrepublikanischer Wirklichkeit. Bizarr, absurd, traurig, komisch, ärgerlich und
auf dem Wege der Besserung.
Am Ende ahnt man, das es noch Zeit, noch einige Zeit dauern wird, bis Deutschland versteht, dass
die in Deutschland lebenden Menschen – deutsch sind. Egal welche Hautfarbe, welchen Akzent,
welche Herkunft und welche Bildung sie haben. Einfach deutsch Sein.
Warum wir immer noch darauf warten müssen?
‚Heimat, bittersüße Heimat‘ versucht dieser Frage auf den Grund zu gehen. Ist der rassismusfreie
Raum eine Utopie? Ist Humor das einzige Sch(m)erzmittel um als „Bindestrich-Deutscher“ existent
zu sein? War alles besser als die Mauer noch stand? Oder gibt es einfach zu viele Dumpfbirnen
hüben wie drüben?
Das Programm umfasst Theater-Szenen, Film-Clips, Stand-Up-Nummern und Improvisationen.
Die Musik- und Gesangseinlagen reichen von Kabarett-Songs und Schlagern, über klassische
Musik und Opern-Arien, bis hin zu Soul und Gospel und umfassen somit ein breites Spektrum
unterschiedlicher Stile und Genres. Auf diese Weise vereinen die Akteure von LabelNoir verschiedene dramatische und musikalische Elemente zu einem einheitlichen Ganzen, indem sie
sie mischen, uminterpretieren und neu zusammen setzen. So, dass alle Deutschen sie verstehen.
So entsteht eine ganz neue Dimension der künstlerischen Auseinandersetzung mit aktuellen
gesellschaftspolitischen Themen, immer ausgehend von einer afro-deutschen - einer Schwarzen
und deutschen Perspektive.